Testbericht Nikon D4: Profi Kamera auf Speed

Nachdem die Nikon D4 ja schon vor einigen Wochen vorgestellt wurde, bin ich jetzt auch noch in den Genuss gekommen, ein Exemplar zu testen.

Und ich muss sagen es hat Spass gemacht, auch wenn in der kurzen, mir zur Verfügung stehenden Zeit, tiefgreifende technische Tests nicht möglich waren, bin ich doch mehrmals ins Staunen geraten.
Dass die D4, als Profi-DSLR, im entsprechenden preislichen Rahmen angesiedelt ist, erstaunt nicht und dürfte den meisten Interessierten auch schon klar gewesen sein. Qualität hat seinen Preis. Ob der in diesem Fall auch gerechtfertigt ist, möchte ich Euch im Folgenden aufzeigen.

Robust wie Klitschko…

Die D4 ist für den harten Profialltag gebaut. Das Gehäuse besteht aus einer Magnesium-Legierung und ist selbstverständlich gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Zusammen mit dem integrierten Batteriegriff macht sich das beim Gewicht bemerkbar. Ein bisschen leichter zwar als ihre direkte Vorgängerin die D3s, bringt die D4 dennoch 1180g auf die Waage, nur der Body ohne Akku versteht sich.
Wenn man die Kamera in den Händen hält fühlt man sich in der Lage damit auch mal einen Nagel einschlagen zu können (machen sollte man es trotzdem nicht).

Bei den Anschlüssen finden wir die üblichen Verdächtigen, wie USB und mini-HDMI, ebenso wie einen Ethernetanschluss und Anschlüsse für Kopfhörer und Mikrofon.
Neu ist auch der, zusätzlich zu einem herkömmlichen CF-Kartenslot, Speicherkartenslot für sogenannte XQD-Karten. Diese neue Karten zeichnen sich, nebst dem noch hohen Anschaffungspreis (16 GB kosten um die CHF 200.-), vorallem durch die sehr hohe Schreibgeschwindigkeit aus, mehr dazu weiter unten.

Wie es sich für eine Profikamera gehört sind viele Funktionen per Knopf oder Schalter, bequem einstellbar und müssen nicht erst im Kameramenü gesucht werden. Im Vergleich zu den Vorhängermodellen fallen ein paar Unterschiede auf. Zum einen sind alle Funktionen rund um den Fokus neu auf einem Schalter, resp. Taste vereint. Zusammen mit den Einstellrädern lassen sich so Fokusmodus und AF-Messfeld einstellen oder von Autofokus auf manuellen Fokus umstellen. Zudem gibt es keinen AF/AL-Sperrknopf mehr. Diese Umstellungen haben Platz geschaffen für zwei zusätzliche Multifunktionswähler, welche Individuell konfiguriert werden können.
Das neue Layout der Tasten braucht vielleicht etwas Angewöhnugszeit, auch wenn man bereits eine D3 o.Ä. hat. Aber die Bedienelement sind durchaus logisch angeordnet und viele davon, frei konfigurierbar, so dass man sich viele Einstellungen auf die Tasten legen kann, die einem am meisten zusagen.

Schnell wie Usain Bolt…

Wenn man das erste Mal im schnellen Serienbild-Modus auf den Auslöser drückt macht das schon mal Freude. 11 Bilder pro Sekunde sind ziemlich beeindruckend. Wenn man dann noch den Auslöser gedrückt hält um zu sehen wie lange die Kamera diese Kadenz halten kann, kann einem schon mal die Spucke wegbleiben. Mit einer XQD-Karte im Slot, kommen wir auf etwas über 9 Sekunden, oder 92 Bilder, wenn wir 12-Bit Raws aufnehmen. Die D4 kann aber noch länger: Wählen wir zum Beispiel JPEG Fine medium, können wir bis zu 200! Bilder schiessen bevor der Buffer voll ist. Wer mal hören will wie das tönt, sieht sich das Hands on von Jean-Claude an:

Fotografiert man z.B. viel an Sportveranstaltungen oder Tiere in der freien Natur ist diese Geschwindigkeit natürlich sehr willkommen.
Das ohnehin schon sehr leistungsstarke Autofokus-Sensormodul wurde nochmals verbessert und funktioniert auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch sehr präzise.
Hinzu kommt eine überarbeitete Motiverkennung, welche z.B. eine Gesichtserkennung umfasst. Zwar frage ich mich bei solchen Features manchmal ob sich die wirklichen Profis wirklich auf solche Dinge verlassen, aber die Motiverkennung funktioniert im Test erstaunlich gut. Zudem kommt die verbesserte Motiverkennung ja auch wieder der präzision des Autofokus und der Belichtungsautomatik zugute.

Der Dynamikumfang beträgt 9,7 Blendstufen bei ISO 100 (Quelle chip.de). Zusammen mit Nikons D-Lightning oder der neuen, integrierten HDR-Funktion, muss sich die D4 also auch beim Dynamikumfang nicht verstecken.

Der Vollformatsensor setzt mit 16,2 MegaPixel keine neuen Massstäbe, meiner Meinung muss er das aber auch nicht, wer mehr Auflösung braucht für den gibt es ja noch die D800.
Dass der Sensor sehr Rauscharm ist, war zu erwarten. Im Vergleich mit meiner D3 sieht man doch noch mal einen ziemlichen Unterschied. Bis ISO 12800 muss man schon sehr genau hinschauen um Rauschen erkennen zu können. Subjektiv fand ich aber die D800, über die ich vor kurzem hier berichtet habe, einen Tick schärfer, sprich das kamerainterne Weichzeichnen nicht ganz so ausgeprägt.
Die Idee für eine maximale Empfindlichkeit von ISO 204800 ist dann aber wohl doch der Marketingabteilung entsprungen, wirklich nutzbar ist sowas leider noch nicht.

Die D4 kann Filme in FullHD mit bis zu 30fps aufnehmen und auch sonst hat sich Nikon einiges überlegt um das Filmen mit DSLR noch etwas professioneller zu gestalten. So ist es, wie oben bereits erwähnt, möglich ein externes Stereomikrofon anzuschliessen und den Ton auf einem Kopfhörer auszugeben, damit man jederzeit die Kontrolle über die Tonaufnahmen hat.

Fazit:.

Es ist schon was Anderes eine solche Profikamera in den Händen zu halten. Natürlich macht immer noch derjenige hinter dem Sucher die Bilder, aber die D4 hilft doch sehr tatkräftig mit. Und Nikon hat sich wieder das eine oder andere ausgedacht um den Arbeitsprozess zu vereinfachen.
Wer sich die D4 leisten kann und will, wird sicher nicht enttäuscht. Nikon liefert ein weiteres professionelles Arbeitsgerät ab. Andererseits erfindet die D4 die Fotografie auch nicht neu. Wer also nicht unbedingt auf die erwähnten Neuerungen angewiesen ist, oder wem der Preis dann doch zu hoch ist, kommt sicherlich auch mit einem der Vorgängermodelle zurecht, die mittlerweile auch günstiger zu haben sind.

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