Pebble Time ausprobiert: Der Pionier verliert den Anschluss

Pebble-Time-Outdoor

Seit ein paar Wochen habe ich die Pebble Time bei mir und da wird es Zeit für ein erstes Fazit.

Ich war bisher ein grosser Fan der Pebble Smartwatches. Da das iPhone mein „Daily Driver“ ist gab es bisher auch nicht viele Alternativen zu den Uhren von Pebble.

Diese spielen sowohl mit iOS wie auch mit Android zusammen, auch wenn unter iOS die Möglichkeiten beschränkt sind, da Apple einige Funktionen nicht zulässt.

Die erste Pebble war schon ein grosser Erfolg auf Kickstarter, die Pebble Steel ebenfalls und mit der Pebble Time konnte ein Allzeit-Rekord bei Kickstarter gebrochen werden, mit rund 20 Millionen $.

Warum ich von Pebbles neuestem Wurf enttäuscht bin, lest ihr hier:

Die Pebble Time verfügt erstmals über ein Farbdisplay. Dieses ist zwar immer noch eine Art e-Ink Screen kann aber nun auch Farben darstellen. Der Screen ist genau der Grund warum ich von der neuen Pebble Time ziemlich enttäuscht bin, aber dazu später mehr.

Pebble-Time-Box

Das Gehäuse der Pebble Time ist immer noch aus Plastik, aber etwas abgerundet. Es liegt angenehmer an als die Vorgänger. Das Display wird von einem Alurahmen eingefasst was schick aussieht. Das Kunststoff Armband lässt sich ganz einfach wechseln und gegen normale 21mm Armbänder tauschen.

Der Ladekontakt ist nun unten, so dass ihr das alte Ladekabel nicht mehr benutzen könnt. Pebble bleibt seinem Bedienkonzept treu und verzichtet weiterhin auf einen Touchscreen. Es gibt die 4 bekannten Tasten, drei auf der rechten und eine auf der linken Seite.

Die Tasten müssen recht fest gerückt werden und haben einen schlechten Druckpunkt. Vor allem die mittlere auf der rechten Seite brauchte bei meinem Modell ab und zu einen Zusatzdruck bevor sie reagierte.

Die Tasten sind der Hauptgrund warum sich auch die Pebble Time ein wenig anfühlt wie aus dem Kaugummi Automaten. Hochwertig geht anders, aber das möchte Pebble auch gar nicht. Man hat von Anfang an mit dem Retro Look und dem „Low-Tech“ Ansatz kokettiert.

Die kommende Pebble Time Steel wird hier wohl besser aussehen und wäre meine Wahl, ist aber in meinen Augen viel zu teuer.

Die Pebble Time hat ein neues Betriebssystem drauf. Es basiert auf der Timeline und kann einige coole Dinge. Erstmals lassen sich mehr als 8 Apps auf der Uhr speichern, erst bei 50 ist der Speicher voll.

Man kann durch seine Timeline blättern und bekommt dann Benachrichtigungen, Kalendereinträge etc. in chronologischer Reihenfolge dargestellt.

Pebble-Time-Timeline

Das ist eine gute Idee und auch klasse umgesetzt. Wer viele Benachrichtigungen und Termine hat bewahrt damit den Überblick. Das neue Timeline OS soll bald auch als Update für die anderen Pebble Modelle erscheinen.

Gerade im Bereich Benachrichtigungen muss Pebble beim Zusammenspiel mit iOS nachlegen. Wird die Pebble Time mit dem iPhone verwendet kann man diese weder bearbeiten noch beantworten, nur löschen ist bisher möglich.

Pebble-Time-Firmware-UpdateAlle Apps der Vorgänger laufen auch auf der neuen Pebble Time, sehen aber teilweise etwas komisch aus, wenn sie nicht von den Farben Gebrauch machen.

Die neue Software ist klasse und macht die Pebble moderner und schneller. Die Animationen sind bewusst auf 80iger Jahre Retro getrimmt was mir aber ganz gut gefällt.

Das grösste Problem der Pebble Time ist der Bildschirm. Das neue Farb-Display sieht draussen an der Sonne genial aus, es ist super hell und absolut scharf.

Drinnen hingegen ist kaum etwas zu erkennen. In eher dunklen Räumen kann man die Uhr nicht mehr ablesen und muss auf die Hintergrundbeleuchtung ausweichen. Diese lässt sich entweder per Tastendruck oder per Schüttel-Geste aktivieren.

Letzteres hat bei mir überhaupt nicht zuverlässig funktioniert. Ich konnte den Arm schütteln wie ich wollte, das Licht ging nur ganz selten an.

Pebble-Time-Sunlight-and-Indoor-ScreenDa ich mich eher drinnen als draussen aufhalte ist das für mich ein ganz grosser Nachteil. Klar kann ich die Pebble Time bei Sonnenschein draussen viel besser ablesen als zum Beispiel die Apple Watch. Aber ich kann bei letzterer einfach mal kurz die Hand übers Display legen und dann im „Schatten“ alle bestens ablesen.

Drinnen habe ich mit der Pebble Time ein echtes Problem sie ist einfach zu dunkel. Da nützt mir mehr Always-On Screen der Uhr nicht viel wenn ich nicht erkennen kann was angezeigt wird.

Es kommt stark auf die verwendeten Watchfaces an ob ihr drinnen etwas erkennt. Einige klappen besser bei einigen erkennt man praktisch nichts.

Die Akkulaufzeit der Pebble war schon immer ein wichtiges Verkaufsargument. Die Pebble Time soll 5 bis 7 Tage lang durchhalten. Bei mir waren es rund 4 Tage was natürlich immer noch ein super Wert ist. Nur spielt das eigentlich keine grosse Rolle.

Ich trage meine Uhren niemals in der Nacht, daher kann ich sie auch jede Abend aufladen. Ich brauche keine 4 Tage maximal 24 Stunden wenn ich mal länger unterwegs sein sollte.

Pebble-Time-Fitness-Watchface

Die Pebble Time hat ein paar rudimentäre Fitness-Funktionen eingebaut. Schritte zählen und den Schlaf überwachen geht. Pulsmesser, GPS etc nicht. Hier hätte Pebble nachrüsten müssen, Fitnesstracking ist heute ein ganz grosses Thema und einer der Gründe sich eine Smartwatch umzubinden.

Pebble hat einen speziellen Anschluss am Armband über welchen in Zukunft neue Funktionen nachgerüstet werden können. Dafür sollen dann andere Anbieten Armbänder und Zubehör herstellen. Bisher gibt es aber leider noch keinerlei Zubehör um die Funktionalität der Pebble Time zu erweitern.

Die Pebble ist bis 30 Meter wasserdicht und damit eine der wenigen Smartwatches welches man problemlos auch zum Schwimmen oder sogar Tauchen mitnehmen kann.

Fazit:

Ich bin von der Pebble Time enttäuscht. Sie ist zwar viel besser als die Vorgänger, aber wir leben im Jahr 2015 und die Konkurrenz schläft nicht.

Pebbel-Time-and-Apple-Watch

Die Android Wear Uhren sind inzwischen teilweise günstiger zu haben als die neue Pebble und für Apple Benutzer gibt es jetzt die Apple Watch, welche zwar viel teurer ist, aber auch viel mehr kann.

Die Idee eher LowTech zu bleiben und dafür eine lange Akkulaufzeit zu erhalten mag immer noch ein Alleinstellungsmerkmal von Pebble zu sein, verliert aber zusehends seinen Reiz.

Der Farbbildschirm ist ein Reinfall. Zu wenig Kontrast, zu wenig Auflösung und viel zu dunkel. Hier wurde klar am falschen Ende gespart.

Kommt als letztes Kriterium noch der Preis. Hier konnte sich Pebble bisher immer auszeichnen und war deutlich günstiger als die Konkurrenz. Mit der Pebble Time ändert sich das. Die kostet 249$ bezw. 249€ und ist damit rund 100 € zu teuer.

Für den gleichen Preis bekomme ich eine LG G Watch R und das ist ein ganz anderes Kaliber. Perfekter, runder OLED Screen und massig Funktionen dank Android Wear.

Apple Benutzer müssen entweder deutlich mehr Geld für die Apple Watch Sport ausgeben oder mit den Limitierungen der Pebble Time leben.

Pebble stand immer für eine gewisse Einfachheit und Reduzierung auf wichtige Funktionen. Inzwischen zeigt die Konkurrenz aber auch wie man mehr Funktionen benutzerfreundlich gestalten kann.

Für das Gebotene ist die Pebble Time zu teuer. Entweder muss die Funktionalität massiv gesteigert werden (Stichwort Fitness Funktionen) oder der Preis muss runter, sonst sehe ich in Zukunft schwarz für die smarten Pebbler.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schade, ich liebe meine Pebble Steel, benötige auch nicht mehr als sie kann. aber der Bildschirm muß immer ablesbar bleiben.

  2. Ich muss hier mal ein Veto einlegen!
    Ich habe seit einigen Tagen die Pebble Time, meine erste Smartwatch überhaupt und ich bin durchaus angetan.
    1) Entgegen dem, was hier behauptet wird, ist die Oberseite der Uhr aus Edelstahl und nicht aus Kunststoff. Das ist ein schöner und haltbarer Werkstoff. Zudem ist die Uhr wesentlich leichter und flacher als die anderen Watches (ich habe einiges an Marktforschung betrieben vor dem Kauf und mir würde im Traum nicht einfallen, mir so einen Riesentrümmer ans Handgelenk zu legen!). Da kommt dann immer das „Kaugummiautomat-Totschlag-Argument“ – okay, über Geschmack und Design lässt sich streiten, aber ich finde sie ist alles andere als billig.
    2) Außerdem ist die Pebble im Gegensatz zu vielen anderen Smartwatches wasserdicht, was einen nicht zu unterschätzenden Luxus darstellt, da man sich nicht ständig vorsehen muss.
    3) Die Akkulaufzeit liegt bei mir bei 5-6 Tagen und das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, sie übersteht nämlich auch mal ein verlängertes Wochenende mit der Familie, ohne dass man sich um Ladekabel etc. Sorgen machen müsste. „Ich lade meine Uhr eh jede Nacht auf“. Hallo? Für mich klingt das so, als ob man sich die Apple-Watch schönreden will, wo nach einhelligen Berichten oft schon nach 4 Stunden kein Saft mehr drauf ist.
    4) War mir wichtig, dass die Uhr permanent die Uhrzeit anzeigt (für mich immer noch die Hauptfunktion einer Uhr!) und ich nicht erst irgendwas drücken, drüberwischen oder wedeln muss, damit die Uhrzeit erscheint. Und entgegen dem, was hier behauptet wird, hatte ich noch NIE! Probleme die Uhrzeit abzulesen, auch nicht im Dunkeln. Klar es hängt auch vom genutzten Watchface ab, aber auch bei Schummerlicht abends vorm TV konnte ich die Zeit lesen – keine Ahnung was der Autor hier gemacht hat. Na und selbst wenn, dann muss man eben kurz einen Knopf drücken, die Hintergrundbeleuchtung erscheint und ich kann die Zeit erkennen – das war noch nie bei einer Uhr mit Beleuchtung anders, aber plötzlich ist das schlecht. Draußen mal eben die Hand auf die Uhr legen, damit ich im Schatten die Zeit ablesen kann *Kopfkratz*
    5) Habe ich mich gefragt, was für „Funktionen“ man denn auf einer Uhr tatsächlich braucht und ob ich wirklich über jeden Mist informiert werden will. Nach einigen Tagen bin ich zum Schluss gekommen, dass weniger tatsächlich mehr ist. Die Uhr vibriert für andere unscheinbar, aber für mich merklich, wenn jemand anruft, eine Mail, SMS oder WhatsApp Nachricht reinkommt, das reicht mir. Ich habe schon viele Benachrichtigungen ausgeschaltet und will nicht bei jeder Twitter-Nachricht benachrichtigt werden. Außerdem weckt sie mich morgens, ohne das die Familie auch wach wird – Daumen hoch!
    6) Sie ist wirklich angenehm zu tragen. Ist wesentlich (also auch merklich) kleiner als die Konkurrenz und durch die kleine Wölbung und das Armband sehr angenehm zu tragen. Ich hatte noch selten eine Uhr, die so gefällig und unauffällig am Arm war.

    Alle die hier kritisieren, die Uhr hätte zuwenige Funktionen, sollten sich mal überlegen, was sie wirklich brauchen und ob z.B. Spiele oder hochauflösende (und Akku fressende) Displays da wirklich sein müssen. Dafür sind diese Uhren wesentlich größer und schwerer und – dank Touchscreen – sogar schwerer zu bedienen.

    Der einzige Kritik, die ich zugestehen muss, ist der Preis, der tatsächlich hoch ist. Zu dem Preis bekommt man dann schon ein Mittelklasse-Smartphone oder ein Konkurrenzprodukt, das dann wesentlich mehr kann. Die Frage ist, braucht man das und ist einem das MEHR an Funktionen auch das WENIGER an Komfort wert.

    • Du sprichst mir aus der Seele. Du bringst es auf den Punkt. Wenn ich spielen will, steige ich auf’s mitgeführte Smartphone um. Uebrigens ist die Uhr auch ein guter Indikator, wenn man das Smartphone mal liegen lässt. Die Uhr summt dann zweimal.

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